Das böse Ende wird garantiert kommen, und zwar in kürzester Zeit. Und genau damit befasst sich auch das heutige Evangelium. Auch da geht es um das Ende des Erdenlebens bei den zwei Hauptdarstellern, bei einem namenlosen Reichen und bei Lazarus, dem armen Schlucker. Und es geht dem Evangelisten Lukas natürlich darum, dass wir daraus für unser eigenes Leben, für unsere Zukunft die richtigen Schlüsse ziehen.
Da ist zuerst einmal der Reiche. Er gehört offenbar sogar zu den wirklich Superreichen seiner Zeit. Wenn er sich in teuerstes Purpur kleiden kann,
das damals eigentlich der Königsfamilie vorbehalten ist, dann zeigt dies, wie vornehm und einflussreich er ist. Er kann es sich leisten, ganz nach Lust und Laune die feinsten Stoffe und die teuersten und exotischsten Lebensmittel aus aller Herren Länder zu importieren. Geld spielt keine Rolle, er hat es einfach und gibt es auch in vollen Zügen aus, damit auch ja jeder bei den oberen Zehntausend mitkriegt, wie phantastisch es ihm doch geht.
So lebt er, wie Jesus erzählt, „Tag für Tag herrlich und in Freuden“. Bei ihm ist eben jeden Tag so etwas wie Partystimmung. Er lässt es so richtig krachen, würde man heute vielleicht dazu sagen. Und man kann sich gut vorstellen,
dass Seinesgleichen gerne zu ihm kommt, um bei Festen kräftig mitzufeiern.
Damals war das nicht anders als heute: Damit bei diesem üppigen Lebensstil neugierige oder neidische Mitbürger nicht stören konnten, gab es hohe Mauern und Wachpersonal für die große Villa. So war sichergestellt, dass man wirklich unter sich war. Und wie das damals auch üblich war, als Messer und Gabel bei Tisch noch nicht eingesetzt wurden, aß man meistens mit der Hand und benutzte Brot-fladen, um sie in die Schüsseln zu tunken.
Die dabei manchmal klebrigen Hände reinigte man einfach mit Stücken aus
den Brotfladen, die man anschließend auf den Boden warf.
An dieser Stelle kommt nun Lazarus ins Spiel, der armselige Bettler. Wir er-
innern uns ans Evangelium: „Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.“
Achten wir auf die Feinheiten: Lazarus lag da, direkt vor der Tür zum herrlichen Anwesen des Reichen. Im Original heißt es sogar, dass er dort „hingeworfen, abgelegt“ worden ist. Offensichtlich ist dieser Lazarus ganz übel dran. Er liegt da, weil er nicht mehr gehen kann. So haben ihn einige Leute wohl dort abge-
legt, so wie man eine Sache irgendwo deponiert.
Lazarus ist nicht nur gelähmt, sondern sein Körper ist mit vielen Geschwüren bedeckt. Aussatz ist das sicher nicht, denn sonst hätte jeder einen großen Bogen um ihn gemacht. Seine extrem schlechte Ernährung und miserable hygienische Bedingungen haben seinem Körper den Rest gegeben; er ist jetzt nur noch ein Wrack, ein Häufchen Elend. Da liegt er nun Tag für Tag und leidet fürchterlichen Hunger, während er die Festgäste und den Hausherrn ein- und ausgehen sieht...
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