(Fortsetzung)
Unter dem drohenden Blick der Mama nahm ein Junge nun die Zange und piekte seine Schwester in den Hintern. Ein anderes Kind schaute schnell nach links und nach rechts, und schwupp – da waren drei oder vier Hostien
in seiner Jackentasche verschwunden.
Augenscheinlich sind bei dieser Prozedur auch wirtschaft-
liches Denken und Familiensinn gefragt, denn einige Familien hatten einen der ihren dazu auserkoren, für die komplette Sippe diese diffizilen Umladearbeiten vorzu-
nehmen.
Als ich mich in Anbetracht der knappen Zeit bis zum Beginn der Heiligen Messe schließlich zögernd entschloss, für meine Person ebenfalls diesen Hostien-Kurztransport zu starten, wurde ich von einem älteren Ehepaar leicht ange-
rempelt: „Legen Sie doch bitte für uns auch zwei Hostien in die Schüssel!“ – Klar, man hilft doch gerne, wo man kann. Mit leicht gestörter Aufmerksamkeit feierte ich diese Heilige Messe mit, ab und zu in Gedanken an den Sinn der Übung am Eingang, da ich dies bisher nur vom Hörensagen kannte.
Wozu hat man Internet? – Wieder daheim angekommen, verschaffte ich mir erst mal etwas Überblick. Es sind doch eine Vielzahl von Gemeinden, die dieses Verfahren praktizieren. Die Idee ist offenbar ausbaufähig: Auf einer offiziellen Liturgie-Seite lese ich einen begeisterten Bericht, wie alle Mitfeiernden jeder für sich eine Hostie zum Altar tragen. „Jede und jeder kann etwas von sich in mit in die Gabenbereitung hineinlegen. Wir stellen unsere Welt vor Gottes Angesicht hin.“
Damit sind wir auch schon bei der Begründung für die Basis-Version dieser Praxis. Die Internetseiten einiger Pfarrgemeinden erklären diese Regelung eigentlich alle so, dass man damit symbolisiere, unser ganzes Leben mit seinen Sorgen, Bitten, Dank usw. in die Schale hineinzulegen und vor Gott zu tragen. - Ich stutze ein wenig: Und was machen wir z.B. bei den Fürbitten…?
Sogar die „Allgemeine Einführung in das Messbuch" wird gerne dabei als Be-
gründung zitiert, in der es unter Nr. 49 heißt: „Sinnvoll und wünschenswert ist es, wenn die Gläubigen Brot und Wein herbeibringen…“ – Hoppla, denke ich da: Kann es sein, dass ich den Weinvorrat zum Umfüllen im Eingangsbereich glatt übersehen habe?
Nein, natürlich nicht, denn so wörtlich nimmt man das denn doch nicht. Für mich ist es ohnehin naheliegend, dass die Formulierung im Messbuch auf die Messdiener bezogen ist, denn die sind schließlich in ihrem vielfältigen Dienst rund um den Altar ausdrücklich die Vertreter der Gemeinde und tun auch genau dies: Brot und Wein herbeibringen.
Man wolle mit diesem Verfahren erreichen, dass die Gläubigen „noch bewusster zur heiligen Kommunion gehen“. Es werde damit „deutlicher, dass es unsere Schöpfungsgaben sind – unsere Welt“, die da von der Gemeinde bereitgestellt und vom Besucher umgeladen werden.
Meine erste Reaktion darauf: Und was ist dann mit der Kollekte? – Wäre es dann nicht auch logisch, statt Geld von daheim mitzubringen, ebenso einen Vorrat an Münzen anzubieten und diesen stückweise von einer Schale in die andere zu verfrachten?
Ach, ich gerate immer mehr ins Grübeln. Sollen sie es ruhig so machen, die Kollegen. Mein Ding ist das wohl eher nicht...
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Ich habe das Problem für mich so gelöst, dass ich dann nicht zur Kommunion gehe. Das sieht mir zu sehr nach Selbstbedienung aus.
AntwortenLöschenEine ganz einfache Frage, die man ganz einfach und klar beantworten kann:
AntwortenLöschenWird bei den vom Papst geleiteten Heiligen Messen auch so verfahren?
Also...!
Ich kann da irgendwie nicht folgen: Wenn die Hostie unsere Gaben symbolisieren soll, warum dann die Kollekte nicht auch gleichzeitig?
AntwortenLöschenWenn ich aus welchen Gründen auch immer keine Hostie eingelegt habe, was dann?
Ich gehe ab und an mal im eigentlich evangelischen Altersheim in die katholische Messe.
AntwortenLöschenWeil es in der evangelischen Kapelle ja keinen Tabernackel gibt, steht dort im Eingangsbereich auch so eine Hostienschale udn jeder, der zur Kommunion gehen will, legt eine Hostie in den Hostienkelch.
Aufgrund der konkreten äußeren Bedingungen (fehlender Tabernackel) , finde ich es dort gut und sinnvoll.
Ansonsten je nun, es ist einerseits nett, dass es sich herumgesprochen hat, dass bei Katholens gewaltige Probleme mit dem Glaubenswissen existieren, nur, denke ich, lässt sich das Problem mit nicht noch einer zusätzlichen Symbolhandlung lösen.
So eine normale Messe ist ja überfrachtet mit Symbolhandlungen, es wäre vielleicht mal an der Zeit auf die Realpräsenz Christi zu insitieren.