-Fortsetzung -
Immer wieder fallen ganz unabhängig vom aktuellen Anlass
kleine Gruppen oder gar Einzelne aus der linken und der atheistischen Ecke
dadurch auf, dass sie ihr pri-
vates Weltbild auf Kosten der Mehr-
heit durchsetzen
wollen. Man wun-
dert sich schon fast nicht mehr, wenn jemand das Abhängen eines
Kreuzes in einem Klassenraum erzwingt, obwohl alle anderen nichts dagegen
haben.
Im französischen Städtchen Montiers hat ein Kläger erreicht, dass dort in der
Vorweihnachtszeit ein absolutes Krippenverbot herrscht: der Stall von Bethle-
hem
darf nirgendwo öffentlich sichtbar sein.
Schaut man etwas genauer
hin, dann fällt auf, dass die weitaus überwiegende Mehrheit der aggressiven
Gegner junge Leute sind, häufig sogar Jugendliche.
Da liegt der Verdacht nahe, dass dieses auffällige Verhalten auch etwas mit der
Situation vieler Menschen in dieser Altersstufe zu tun haben könnte.
Aus der Aggressionsforschung wissen wir, dass Agressionen häufig ein starker
psychischer Schmerz vorausgeht (so der Neurowissenschaftler Joachim Bauer), wie z.B. auch bei dem
Attentäter in Norwegen. Wenn dafür anfällige Menschen tief gekränkt werden,
entwickeln sie einen z.T. übermächtig werdenden Hass gegen Personen oder
Institutionen, die sie für (Mit-)Verursacher ihres Leides halten.
Dies bestätigt auch eine Untersuchung des Neurologen und Psychotherapeuten
Dr.Dr. Raphael M. Bonelli, der in der „Tagespost“ über das Phänomen des
antireligiösen Affektes schrieb. In der ansonsten „vaterlosen
Gesellschaft“, in der vermeintlich jeder tun und lassen kann, was ihm gerade in den
Sinn kommt, bleibt nur noch die katholische Kirche als Ziel für fast pubertären
Widerstand.
Diese zur Aggression neigenden Menschen finden es unerträglich,
dass da eine Institution wie ein Fels in der Brandung steht und unermüdlich
mahnt, dass es ein Irrtum und sogar Sünde ist, wenn sich das Geschöpf Mensch
selbst zum Gott macht.
Die von der Kirche verkündeten Normen schmerzen solche Personen, weil ihnen
damit abgesprochen wird, sich selbst und ihre Wünsche zum Maßstab zu ma-
chen
(Papst Benedikt XVI.). Dass sich der Mensch dereinst vor Gott verantwor-
ten
muss, „das tut weh“ (Bonelli).
Von der Kirche und z.B. auch von den christlichen Lebensschützern fühlt man sich innerlich ertappt. Nicht nur die bösen Eltern,
Lehrer, Arbeitgeber, Mit-
menschen sind an meiner Situation schuld, sondern ich
habe es auch zum Teil selbst zu verantworten, wenn ich meine Arbeit oder meine
Lehrstelle in den Sand gesetzt habe.
Die Kirche spielt auch nicht mit bei der
Strategie der „krampfhaften Schmerz-
vermeidung“ (Bonelli) und der ständigen gegenseitigen
Beweihräucherung
(„Du bist gut, ich bin gut, wir alle sind gut“). So wie früher
ein energischer Vater Grenzen setzte, so tut dies im Empfinden vieler Atheisten
jetzt nur noch die Kirche. Das ist aber seelisch bedrohlich, denn damit verweigert die Kirche mir meine
mühsam ausgedachte Opferrolle (Bonelli).
Da wird es natürlich erst recht unerträglich, wenn andere sogar für Gott und
ihren Glauben demonstrieren. Das löst nicht nur Hass aus, sondern
unter-
schwellig auch tiefen Neid und Eifersucht (Bonelli) wegen der offensichtlichen Zufriedenheit der Katholiken, die
man im eigenen Leben so schmerzlich ver-
misst.
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Wenn Sie Herrn Bonelli schon so ausführlich referieren, sollten Sie Ihren Leserinnen und Lesern auch die Information nicht vorenthalten, dass jener Neurologe zum einen wissenschaftlich sehr umstritten und zum anderen Opus Dei Mitglied ist. Er vertritt Außenseitermeinungen, die nach kurzer Internetrecherche ausschließlich von rechtskatholischen und ultrakonservatischen Seiten zitiert werden, aber in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung keine Rolle spielen. Von daher sind seine Ergüsse durchaus mit Vorsicht zu genießen.
AntwortenLöschenEs ist im traditionalischen und fundamentalistischen Milieu zwar üblich, aber dennoch stark vereinfachend und ethisch höchst problematisch, Menschen, die eine andere Meinung als die eigene vertreten, einfach mal als psychisch angeschlagen oder krank zu stigmatisieren, so wie es Herr Bonelli macht. Bezogen auf die Gegner der Demo der sich selbsternannten "Lebensschützer" ist es doch viel wahrscheinlicher, dass diese (die Gegner) schlicht die Provokation (v. lat. provocare ‚hervorrufen‘, ‚herausfordern‘ = gezieltes Hervorrufen eines Verhaltens oder einer Reaktion bei anderen Personen) der Demo aufnehmen und so das von den "Lebensschützern" gewünschte Verhalten zeigen. Dass aber die sogenannten "Lebensschützer" vielleicht gar nicht so lieb und schützend, sondern im Gegenteil selbst im höchsten Grad aggressiv und manipulativ sein könnten, passt nun mal nicht in ihr Selbstbild.
Ihre These, der zitierte Autor sei "sehr" umstritten,
Löschenist wohl eher Wunschdenken.
Ich empfehle etwas Recherche.
Über Ihre Unterstellung, die Lebensrechtler würden die gewalt-
tätigen und lärmenden Proteste ja geradezu herbeiwünschen,
musste ich doch schmunzeln.
Das entspricht dem Argumenationsmuster, vergewaltigte
Frauen seien doch selber schuld, sie bräuchten schließlich
keinen Rock zu tragen.