Im Nachrichtendienst "ZENIT" wurde aktuell eine derartige Leseranfrage gestellt und von P. Edward McNamara beantwortet, der als Liturgieprofessor in Rom tätig ist.Die Grundfrage heißt: Welche Gesten sind als Friedensgruß untereinander sinnvoll und wel-
che eher nicht?
Der Professor verweist erst ein-
mal darauf, dass die Form des Friedensgrußes von den örtlichen Bischofskonferenzen zu regeln ist, unter Berücksichtigung der regionalen Bräuche.
Wichtig ist dabei aber zweierlei: Der Gruß soll ausdrücklich in jedem Falle eine schlichte Geste sein, und er soll aus gutem Grund nur mit den unmittelbaren Nachbarn ausgetauscht werden. Was man gelegentlich sieht, dass Leute aus
den Bänken gehen, um anderen ein Zeichen des Friedens zu geben, das ist
liturgisch natürlich völlig daneben!
Der Liturgie-Professor kann sich jedenfalls durchaus vorstellen, dass unter Eheleuten ein kurzer Kuss ein passendes Zeichen sein kann. Man müsse schließlich nicht für alle Banknachbarn die gleiche Geste verwenden...
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Die Frage ist doch nicht ob ich küssen darf, sondern wo in Schrift und Tradition der Handschlag vorkommt. Beispiel gefälig? "Mit einem Handschlag verrätst Du des Menschen Sohn!"
AntwortenLöschenWo in Schrift und Tradition kommt denn die Kirchenheizung vor? Oder die Orgel?
LöschenNa ja die Orgel wird in den Martyrerakten der Hl. Cäcilia erwähnt und die Kirchenheizung ist natürlich vom Teufel. Aber Scherz beiseit: Ich kann gut, ja sehr gut auf den Friedensgruß verzichten, aber wenn, dann bitte Umarmung und)oder Kuß, doch auf keinen Fall geschäftliches Händeschütteln.
LöschenIch bin richtig froh, dass Sie das Thema so humorvoll und hintergründig anschneiden.
AntwortenLöschenAuch ich gehöre zu denjenigen, die sich oft genug in der Heiligen Messe über solchen Klimbim ärgern. Mit der Andacht ist es dann vorbei.
Jeder hat vor und nach der Messe ausgiebig Gelegenheit, alle abzuküssen. Um Gott die Ehre zu geben, genügt ein freundliches Nicken oder ein Händedruck.
AntwortenLöschenDes Menschen Sohn wurde am Ende ja dann doch durch einen Kuss verraten …
AntwortenLöschenObwohl ich zu denen gehöre, die es nicht schätzen, wenn der Priester während des Friedensgrußes durch die halbe Kirche rennt, muss ich allerdings sagen, dass die Formulierung von Redemptiononis sactramentum "… nicht zu stören. Dies soll er auch beachten, wenn er aus einem vernünftigen Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß entbieten will" einen gewissen Interpretationsspielraum zulässt. Das "dies soll er auch beachten" kann sich auf das "nicht stören" beziehen und nicht auf das "das Presbyterium nicht verlassen". Insofern wäre es besser gewesen, man hätte eine andere, klarere Formulierung gewählt. Es sei denn, man wollte diesen Spielraum lassen. Wir haben hier einen Priester, den ich eigentlich sehr schätze, nicht zuletzt wegen 90% "seiner" Liturgie. Der verlässt während des Friedensgrußes den Altarraum und schüttelt den ersten in den ersten 5 oder 6 Bankreihen auf der rechten Seite die Hand. Dem Vernehmen nach (ich setze mich immer auf die andere Seite), schaut er die dabei nicht an, sondern über die Bankreihe hinweg, wohl auf der Suche nach anderen, die er kennt … Soviel zur Sinnhaftigkeit seines Handelns.
Abgesehen vom priesterlichen Handeln finde ich, Eheleute und andere Liebespaare haben außerhalb der Messe genug Gelegenheit, sich zu küssen und zu herzen.Der Sinn des Friedensgrußes hat mit der ehelichen Liebe nur am Rande zu tun.
Genau!
LöschenWieso dürfen dann nur Eheleute sich küssen?
Was ist mit einem Kuss auf die Wange zwischen Mutter und Tochter?
Küssen ja, aber nicht in diesem Zusammenhang!
Als es uns zu dumm wurde, haben wir schweren Herzens die Pfarrei gewechselt.
AntwortenLöschenJetzt können wir uns wieder besser auf die Messe konzentieren.
Der Friedenskuss ist sicher die älteste Form. Irgendwann nahm das Küssen dann wohl so Überhand — Ich vermute, daß das bei den Franzosen oder Italienern war — jedennfalls mußten dann Pax-Tafeln eingeführt werden. Bei den kühlen Nordeuropäern wäre sowas nie passiert.
AntwortenLöschenEinfacher wäre es natürlich gewesen, die Bänke in Männer- und Frauenseite einzuteilen, wie es auch teilweise geschah, wenngleich ich nicht wüßte, wie dann der Ritus z.B. in in St. Marien (Hamburger Dom) ausfallen würde, da sich der Dom ja im Stadtteil St Georg befindet… aber das ist ein anderes Thema. Wahrscheinlich würde das dann heute wieder zu Pax-Tafeln führen…
Was eine angemessene Form ist, kann man durchaus diskutieren. Vielleicht wäre der ritualisierte Friedenskuss/-gruß, wie ihn Zelebrant mit Konzelebrant austauscht eine Möglichkeit. Das Händeschütteln halte ich jedenfalls für nicht ganz angemessen. Es ist ein so profane Geste, daß sie kaum mehr eine Symbolik hat. Man gibt doch Hinz und Kunz die Hand.
Aber wo wir gerade am Plaudern sind: Die Aufforderung zum Friedensgruß, wie sie sich zumindest hier durchgesetzt hat (wenn sie denn stattfindet), halte ich auch für schwierig. Im Lateinischen heißt es einfach „offerte vobis pacem“ — Hier heißt es wahlweise „gebt euch ein Zeichen des Friedens und der Gemeinschaft“ oder auch „gebt euch ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung“. Also irgendwie kommt beim Händeschütteln nicht so recht ein Gemeinschaftsgefühl auf und in der Regel bin ich mit meinem mir unbekannten Banknachbarn auch nicht so zerstritten, daß ich ein „Zeichen der Versöhnung“ setzen müßte.
In Südeuropa umarmt und küsst man sich beim Friedensgruß doch sehr häufig. Was soll daran stören? Dass es bei solchen Gesten kulturelle und mentalitätsabhängige Unterschiede gibt, ist doch ganz natürlich. Dass der Priester den Altarraum nicht verlassen soll und man nur den direkten Banknachbarn grüßen darf, ist eine dieser kuriosen Überregulierungen von RS, die man sicher nicht ernstnehmen muss. Sie zeigt nur, dass die Autoren dieser Regelung Friedensgrußskeptiker waren, wie es sie im konservativen Milieu immer gab. Die Praxis eines ausgedehnteren Grußaustausches war zur Zeit von RS ja längst Gang und Gäbe und hat sich seitdem auch nicht geändert, ist also (selbst wenn man es legalistisch betrachtet) gewohnheitsrechtlich überhaupt nicht zu beanstanden.
AntwortenLöschenWer sich durch den Gruß in der "Andacht" gestört fühlt, hat m.E. ohnehin das Wesentliche nicht verstanden. Was soll denn die Andacht bringen, wenn mich mein Banknachbar stört? Zu Jesus komme ich so jedenfalls nicht. Es geht doch in der Messe nicht um eine meditative Konzentrationsübung, sondern um die Realpräsenz, die völlig unabhängig von irgendeiner "Andacht" stattfindet. Gerade deswegen sollte man seinen ebenso realen und ebenso wichtigen Banknachbarn nicht aus den Augen verlieren. Sonst ist die Verehrung des Allerheiligsten ein frömmelnder Selbstbetrug. Genau deswegen ist der Friedensgruß genau an dieser Stelle, wo er einen aus der "Andacht" reißt und ein wenig Unruhe in die Zeremonie bringt, goldrichtig platziert.
So kann man es natürlich auch hinbiegen!
LöschenEs geht doch nicht um die Frage, ob einen der Banknachbar stört.
Nicht der Mitmensch stört, sondern unnötiges Getue. Das ist ein Unterschied!
Ganz zu schweigen von Erlebnissen mit Händeschütteleien von stark erkälteten
Mitmenschen, die gerade vorher herzhaft genießt haben.
Man denke insbesondere auch an die vielen älteren und kranken Banknachbarn.
Oder stören die...?
Ich bin ohne Friedensgruß groß geworden. Irgendwann war er dann da und in mir gab es einen Bruch. Er befindet sich im liturgischen Ablauf direkt vor dem Agnus Dei und dem Empfang de Hl. Kommunion. Ich bin dankbar, dass ich hier drei Jahre lang sonntags in die lat. Hl. Messe gehen konnte und am Werktag jetzt einen Gottesdienst (6 h am Morgen) gefunden habe, wo der üblicherweise zelebrierende Priester nicht zum Friedensgruß auffordert und auch alle sich ruhig zum Agnus Dei hinknien.
AntwortenLöschenIch bin mit Friedensgruß aufgewachsen, aber es gab immer noch eine große Fraktion von Grußverweigerern und Priestern, die bewusst auf die Einladung verzichteten. Ich habe diese Leute nie verstanden (schon gar nicht in Köln) und schon als Kind immer als unangenehm frömmlerisch und spießig empfunden. Nicht, weil sie schüchterner oder zurückhaltender als andere gewesen wären (das waren sie nämlich nicht, sondern durchaus resolut und selbstbewusst), dann hätte ich das problemlos verstanden und dieses Unbehagen nicht verspürt. Sondern weil sie demonstrativ zeigten, dass sie die Andacht und Ehrfurcht vor Gott wichtiger fanden als den anderen Gottesdienstbesucher und Unruhe im Angesicht Gottes für unpassend hielten.
LöschenDass sich der Friedensgruß im liturgischen Ablauf direkt vor dem Agnus Dei und dem Empfang de Hl. Kommunion befindet, ist m.E. gerade das Gute dabei. Es reißt aus einer monadischen Trance und führt auf den Boden der Realität zurück. Eine Art "heilsame Störung". So ähnlich, wie wenn du in die Lektüre eines Buches versunken bist und dein Sohn bittet um eine Limo oder klagt über Bauchweh. Wenn du da aufbrausend oder verärgert reagierst, weißt du, dass etwas mit deiner inneren Haltung nicht stimmt.
„Sondern weil sie demonstrativ zeigten, dass sie die Andacht und Ehrfurcht vor Gott wichtiger fanden als den anderen Gottesdienstbesucher “
Löschen——
Der Herr ist gerade auf dem Altar wahrhaft anwesend und ich soll genau in diesem Augenblick beim Friedensgruß dann meine Aufmerksamkeit auf andere Gottesdienstbesucher lenken?
In Anlehnung an Joh 12,8 würde ich sagen: Die Banknachbar habt ihr immer bei euch, den Herrn aber habt ihr nicht immer bei euch.
Ich persönlich fände die Verlegung des Friedensgrußes vor die Gabenbereitung nicht schlecht, wie es schonmal vorgeschlagen wurde und wie es ostkirchliche Riten auch haben.
vgl. Mt 5,23f: »Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.«
Der Vorschlag wurde ja so auch mehrfach von Joseph Ratzinger gemacht und man kann das ja auch gut begründen. Allerdings spricht m.E. gerade dieses Jesuswort genauso gut (oder, wenn es in der Tiefe betrachtet, sogar besser) für meine Auffassung (ich fand Ratzinger in dieser Frage nie wirklich überzeugend, weil er Gottesfurcht gegen Menschenliebe ausspielt, was ihm öfter mal passiert, gerade im "Geist der Liturgie").
LöschenFür Jesus ist der Friede mit dem Nachbarn so wichtig, dass man das Opfern unterbricht, um sich zu versöhnen. Diese Unterbrechung des Ablaufs ist sicher nicht liturgisch korrekt und fördert auch nicht die Andacht. Es wäre einfacher und geordneter, erstmal zuendezuopfern und den Bruder für diese Weile zu vergessen und das mit der Versöhnung dann später zu regeln, wenn man wieder zu Hause ist. Aber gerade das will Jesus nicht, weil es das Herz während des Opfers so sehr verunreinigt, dass der Opfergang selbst zur Farce wird.
Gerade in diesem Moment der Messe im Angesicht des Allerheiligsten vergisst man den Bruder also nicht, sondern vergewissert sich seiner. Gerade im Angesicht des Allerheiligsten stehe ich nicht alleine vor Gott (das macht man in der Anbetungszeit oder beim Tabernakelbesuch), sondern in der Gemeinde Gottes. Deshalb finde ich diesen Moment nach wie vor goldrichtig.
Zumal er eben diese "heilsame Unterbrechung" der Andacht beschert, die mir sagt, wie es in meinem Herzen wirklich aussieht (s. das Bsp.mit dem Buch). Wenn ich mich auf Gott konzentriere und dabei so sehr meine Ruhe haben will, dass mich der Gedanke an den Nächsten stört, stimmt etwas nicht mit dem Realitätsbezug.
Natürlich geht es um die Frage, ob einen der Banknachbar stört. Allein die Tatsache, dass man die Geste des Friedensgrußes mit "unnötigem Getue" in Verbindung bringt, spricht ja Bände. Mit demselben Argument könnte man das Knien bei der Wandlung ablehnen, ist ja nur unnötiges Getue und das Auf und Nieder stört ja auch irgendwie. So ein Unfug.
AntwortenLöschenKeine Frage, dass man so einen Grußaustausch übertreiben, zum Selbstzweck machen oder mit unnötigem Getue ad absurdum führen kann. Man kann auch das Knien oder irgendwelche anderen Ehrfurchtsgesten übertreiben. Genau wie so eine Ehrfurchtsgeste kann auch eine Grußgeste aufgesetzt, lächerlich, künstlich oder falsch wirken. Das hat aber mit der Sinnhaftigkeit der Einrichtung an sich überhaupt nichts zu tun.
Außerdem gibt es eben Mentalitätsunterschiede. Vorbehalte gegen den Friedensgruß habe ich eigentlich nur in Deutschland erlebt, da ist man wohl generell distanzierter und grüßt nicht so gerne fremde Leute. Manche fühlen sich ja auch regelrecht in Verlegenheit gebracht, weil sie sich gezwungen sehen, andere Leute zu begrüßen, das aber eigentlich als unpassend und irgendwie gespielt und unnatürlich empfinden. Das kann ich als Rheinländer mit lateinamerikanischer Sozialisation zwar nicht nachvollziehen, aber derartige Vorbehalte muss man akzeptieren und ernst nehmen, solche unterschiedlichen Empfindungen gibt es und sie spiegeln sich in der Praxis wider. Was aber auf keinen Fall akzeptiert werden darf, sind religiöse Vorbehalte (stört die Liturgie, lenkt vom Wesentlichen ab, behindert die Andacht etc.). Da wird es kriminell, weil man Gott über den Banknachbarn stellt.
Kranke, abstoßende oder unsympathische Banknachbarn grüßen zu müssen, sollte man als ein besonderes Gnadengeschenk betrachten. Überhaupt kommt es doch nicht darauf an, was mich gerade stört oder was mir gut tut, sondern was dem anderen dient. Dazu gehört natürlich auch, offensichtlich unangenehm berührte Banknachbarn nicht zu irgendwas zu drängen, was sie stört. Oder sich bei Erkältung mit Händeschütteln zurückzuhalten. Oder erkälteten Banknachbarn, die nicht dieses Feingefühl besitzen, nicht böse zu sein und sie nichts davon spüren zu lassen. Überhaupt ist es ja das Wichtigste, nicht schlecht übereinander zu denken. Also weder den Friedensgrußverweigerer noch den überschwänglichen Priester schäl anzusehen, weil er sich nicht so verhält, wie es mir vorschwebt.
Ich finde den Artikel und die hier stattfindende Diskussion persönlich sehr anregend.
AntwortenLöschenDank an alle aus dem fernen Japan.
Hier sind die Sitten anders, man würde das als zu aufdringlich empfinden.