Da muss man als Humanist und/oder Atheist die Politik erst mal fix darüber belehren, dass schon die Aufnahme der Frage nach der Religionszugehörigkeit bzw. nach der eigenen Glaubensrichtung in den damaligen Fragebogen von der Europäischen Union gar nicht verpflich-
tend vorgeschrieben war. Da liegt natürlich glasklar auf der Hand, dass der Ge-
setzgeber hier den Interessen der Kirchen gefolgt ist, wie auch der Bundesdaten-
schutzbeauftragte behauptet. Wer den allerdings kennt, der weiß, dass er gerne mal sehr großzügig mit seiner "vernichtenden Kritik" umgeht, z.B. ---> HIER!
Sicher trifft es zu, dass 2011 nicht in allen Ländern der EU nach der Religions-
zugehörigkeit gefragt wurde, aber diesen Gestaltungsspielraum hatte jedes Land in der damaligen europaweiten Aktion. Und da sollte man bitte schön dann auch erwähnen, dass es in Deutschland bei mehreren vorhergehenden Volkszählungs-
aktionen solch eine Fragestellung gab und diese außerdem als Merkmal im zen-
tralen Melde-Register vorhanden ist. In Frankreich z.B. ist das eben traditionell anders...

Nach diesem ersten Rüffel geht's bei dem Humanisten ans Zahlenmaterial. Das Ergebnis sei schon deshalb falsch, argumentiert er, weil doch "hinlänglich bekannt" sei, dass sich auch unter den Kirchenmitgliedern Menschen befän-
den, "die entweder nicht wissen, was sie glauben sollen oder gar nicht an einen Gott glauben".
Das seien bei den Katholiken immerhin "25 Pro-
zent der Mitglieder". Ergo soll man solche Zweif-
ler doch fairerweise mal bei der veröffentlich-
ten Statistik abziehen...
Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt hat, der weiß, dass bei Meinungsumfragen tat-
sächlich solch ein Prozentsatz für den persön-
lichen Glauben an Gott herauskommen kann, z.B. ---> HIER !
Man darf aber auch getrost annehmen, dass solch ein Sachverhalt den Men-
schen, die sich beruflich jahrein jahraus mit solchen Statistiken befassen, durchaus bekannt ist. Einfach zu argumentieren, es könnten gar nicht so viele Christen sein, weil viele von denen doch gar nicht so richtig echt an Gott glauben würden, ist schon reichlich wagemutig.
Da könnte man doch gleich bei anderen Umfragen ähnlich verfahren: Was, Bun-
deskanzlerin Merkel soll derzeit im Vergleich zum SPD-Kanzlerkandidat in der Beliebtheit die Nase vorn haben (vgl. z.B. ---> HIER)? --- Da muss man vom Umfrageergebnis doch gleich mal etwa 95 % abziehen, die Frau Merkel noch nie persönlich erlebt haben...!
Aber das "schönste" Humanisten-Argument kommt erst noch: Die Konfessions-
losen hätten einer Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung zufolge mit etwa 33 Prozent den größten Anteil an der Bevölkerung Deutschlands...
Nun auf einmal gelten natürlich die Zahlen genau so, wie man sie in einer Statistik vorfindet. Keine Rede davon, dass vielleicht bei den dort gezählten Konfessionslosen einige Prozent abgezogen werden müssten, die sich vielleicht nur aus steuerlichen Gründen von der Kirche verabschiedet haben. Nein, das wollen wir doch mal lieber nicht annehmen, dass bei den Nichtkirchenmitglie-
dern eine ganze Anzahl sein könnten, die vielleicht doch an Gott glauben...
Ach, Statistik ist doch eine wunderbare Sache: Was nicht passt, das wird eben passend gemacht. Zumindest wird es zuweilen so lange versucht, bis es bemerkt wird... .
Carsten Frerk im "Humanistischen Pressedienst" ---> KLICKEN !
Fragebogen "Haushaltsbefragung" (pdf) ---> KLICKEN !
Kurzfassung: Ergebnisse Zensus 2011 (pdf) ---> KLICKEN !.
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Statisktik ist toll.
AntwortenLöschenHabe ich das richtig verstanden? 33% bekennen sich zu keiner der im Fragebogen aufgeführten Religionsgemeinschaften, sind also Atheisten lt den Humanisten.
Na, dann haben wir in Deutschland halt keine Moslems. Damit haben sich alle Proteste gegen Moschee-Neubauten selbst ad absurdum geführt.
Den Streifenwagen, der zum Schutz vor der Jüdischen Gemeinde steht, könne wir wohl auch abziehen.
Buddhisten ham wa auch nich.
Ich mag Statistik. Und noch mehr mag ich Statistik-Interpretationen. Nicht so sicher bin ich mir, ob ich die Herrschaften vom Humanistischen Pressedienst mag, was aber völlig irrelevant ist, denn
a) bin ich statistisch gesehen unbedeutend
b) Jesus sagt, ich solle sie lieben, von mögen war nie die Rede :-)
Üblicherweise sind Atheisten und Ungläubige aller Art eher von Statistiken über die Kirche begeistert, wenn z.B. die ansteigende Zahl der Kirchenaustritte genannt wird. Aber das hier passt natürlich nicht ins Konzept und wird daher kritisiert. Man hat schließlich als Humanist automatisch viel mehr Ahnung von Statistik als sämtliche Statistikexperten des Bundesamtes.
AntwortenLöschenUnd man vergisst bzw. blendet aus, dass es außerdem auch im christlichen Bereich jede Menge Freikirchen gibt, die nicht den Status einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft haben (oder deren Mitglieder das nicht wissen).
AntwortenLöschenStimmt, die Zeugen Jehovas, die ich dauernd vor der Tür habe, gibt es ja gar nicht. Und diese beiden netten jungen Männer, die für die Mormonen in Deutschland missionieren und mir letztens mit dem Kinderwagen in die Straßenbahn geholfen haben, gibt es wahrscheinlich auch nur in meiner Phantasie.
AntwortenLöschenTolle Leistung vom HPD!